Wussten Sie, dass „Dogma“ mal das selbe wie ein „Axiom“ war? Ich auch nicht, ehe ich Anja Förster’s Artikel gelesen habe. Über die Zeit ist aus der „Annahme“ dann ein „Lehrsatz“ und später eine „unumstößliche Wahrheit“ geworden (Danke, katholische Kirche!) Das erinnert doch an ein paar Artikel der letzten Wochen (über Spurenbreiten zum Beispiel)… Deshalb heute unser Thema: warum mögen wir Dogmen eigentlich so sehr und warum können wir sie nicht loslassen?

Die menschliche Psyche ist schon ein faszinierendes Ding. Da erfinden wir dauernd neues Zeug, wollen immer höher, schneller, weiter – aber manchmal geht uns das zu schnell und dann wollen wir bitte aussteigen. Dankeschön, aber das können Sie behalten, das geht jetzt wirklich zu weit. Erinnern Sie sich zurück an den Wandel zu Smartphones hin. Viel zu zerbrechlich, zu viel auf einmal, es gibt schon Kalender, Uhren und Walkmans. Und? Wer von Ihnen hört seine Musik heute hauptsächlich noch über einen Walkman? Wüssten Sie überhaupt, wo Sie die Kassetten dafür herkriegen?

So schön oder auch notwendig wir das alles heute finden, denken Sie an die Ablehnung und den teilweisen Hass auf die neumodische Veränderung zurück. Wo kam der her?

Die Bedrohung durch Veränderung

Wenn sich etwas verändert, kämpfen wir oft damit, die Folgen angemessen einzuschätzen. Teilweise wissen wir eigentlich nur, dass wir nie alle Folgen absehen können. Veränderung bedeutet deshalb Unsicherheit über die eigentliche Veränderung hinaus. Und Unsicherheit mögen wir so gar nicht. Deshalb sind Dogmen auch so toll. Als „unumstößliche Wahrheit“ geben Dogmen uns eine Sicherheit. Und Sicherheit ist nach Maslow’s Bedürfnispyramide eines unserer grundlegendsten Bedürfnisse. Ohne Sicherheit bringt uns alles andere nur bedingt Freude. Warum auch, wenn wir uns nicht sicher sein können, dass wir das alles überhaupt weiter genießen können?

Und im Endeffekt waren alle Veränderungen ja auch ambivalent, man schaue nur auf den Einzelhandel und den Vormarsch von Online-Shops. Natürlich haben viele davon profitiert, dass Ihre Kunden nicht mehr von nah und fern anreisen mussten, aber einigen hat es auch wertvolle Kundenstämme entzogen. Für die einen war es eine Veränderung zum Neutralen oder Positiven, für andere existenzbedrohend. Wäre alles geblieben wie es war, wäre die Welt ein Dogma gewesen, eine unumstößliche Wahrheit, dann wäre es weiter seinen gewohnten Gang gegangen.

VUCA liegt nicht in unserer Natur

Gut, auch das ist zu kurz gegriffen. Denn genauso, wie wir die Folgen von Wandel nicht vollständig abschätzen können, können wir auch nicht voraussehen, auf welche Hürden wir irgendwann mal stoßen, wenn es einfach so weitergeht. Es ist nur so, dass wir im Zweifel lieber nicht handeln, als durch unser Handeln am Ende für das Ergebnis verantwortlich zu sein. Dieses Phänomen nennt sich Omission Bias und ist einer der Gründe, warum Impfungen beispielsweise so ein kontroverses Thema sind. Wir wollen eben nicht schuld sein, wenn es doch zu Komplikationen kommt. Solange die Unsicherheit für uns schlimmer ist, als die möglichen Konsequenzen, geben wir dem Omission Bias nach.

Dogmen halten sich also nicht, weil sie überlegen sind, sie halten sich, weil wir solide und sichere Stützpfeiler wollen, auf die wir uns verlassen können. Und wir entfernen uns nicht von ihnen, weil uns die Alternative zu suspekt ist. Und darin liegt die Krux: denn ungewiss ist nicht automatisch gut oder schlecht. Das kommt erst dann wirklich raus, wenn wir dort sind. Anja Förster bemüht in ihrem Artikel das Beispiel des Home Office und der Präsenzkultur (wenn niemand sieht, dass die Kollegen arbeiten – arbeiten sie dann überhaupt?), aber ich möchte Sie ermuntern sich zu fragen, welche Dogmen sich noch eingeschlichen haben. Harvard Business Review hat letztes Jahr beispielsweise ihren Bericht „What’s really holding Women back?“ veröffentlicht. Das Ergebnis? Vorurteile und Dogmen.

Anja Förster berichtet in ihrem Artikel von Rothirschen, die noch heute im Böhmerwald die ehemalige Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland nicht überqueren. Weil sich diese Grenze bei den Rothirschen als Dogma etabliert hat und sogar über Generationen weitergegeben wurde. Wenn Sie also als anpassungsfähiger als ein Rothirsch gelten wollen, hinterfragen Sie beizeiten Ihre Dogmen und wagen Sie einen Sprung ins Ungewisse.

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