Dieser Beitrag beginnt unsere Reihe „Paradigmenwechsel“. In den 5 folgenden Artikeln werden wir Annahmen beleuchten, die uns die letzten Dekaden begleitet haben und sich zuletzt rasant gewandelt haben. Regelmäßife Updates finden Sie darüber hinaus in unserem Newsletter.

„VUCA“ kommt aus dem Militär und bezeichnet eine Situation, die sich nicht sicher abschätzen lässt. Sie ist volatil, unsicher, komplex und ambivalent. Das genaue Gegenteil von überschaubarer, klarer Sicherheit. Der Begriff kam in den 90ern auf um die Herausforderungen einer multilateralen Welt zu beschreiben. Inzwischen nutzt man ihn aber auch um die sich ständig verändernde Unternehmenswelt zu beschreiben. Im letzten Teil unserer Reihe schauen wir also darauf, wie sich der Sicherheits-Aspekt in den letzten zwanzig Jahren verändert hat.

In dieser Reihe machen wir zuerst die Zeitreise zurück und schauen auf die Erfahrungen von meinem Großvater. Der jahrelang als leitender Angestellter in der Industrie gearbeitet hat. Dann schauen wir uns an, wie wir heute darüber denken. Und dann schauen wir, wo sich Unterschiede und vielleicht sogar Parallelen auftun.

Damals – wie Opa es erlebt hat:

Wir haben diesen Aspekt schon in Teil 3 (Thema: Zeit) angesprochen, als es um Terminpläne und deren Kontrolle ging. Die Terminpläne gaben das Zeitfenster an, das man hatte die Aufgabe zu erledigen. Die Kontrollen  gaben den Mitarbeitern die Sicherheit, dass alles in einem beherrschbaren Rahmen lief. Und der Kunde bekam dadurch die Sicherheit, zum geplanten Termin mit der Bestellung versorgt zu werden. Aus dieser Zeit kommen auch die Halbjahres- und Quartalskontrollen der Firmen- bzw. Produktionsziele. Sie alle dienten dem Zweck, der Firma Sicherheit zu geben, dass einem auch kein Problem durch die Lappen ging. Und wenn eins entdeckt wurde, wurde es auf seine Ursache überprüft und diese angegangen. Unabhängig davon hat man auch hier schon das Kundenfeedback regelmäßig überprüft. Bei der Übergabe wurde die Qualität kontrolliert und die Zusammenarbeit bewertet. Natürlich face-to-face und nicht wie heute über eine Mail.

Und heute? – was die jungen Wilden sagen

Den Seitenhieb zum Feedback-Mailing (der ist durchaus fair) mal beiseite: es ist schon eigenartig. Wir sagen, wir können es nicht wie damals machen, alles ist so viel schnelllebiger, wir brauchen dynamische und flexible Pläne… Trotzdem kann ich jeden Mitarbeiter eine noch so modernen Firma fragen und er kann mir mit Sicherheiterzählen, wie das Management auf die letzten Quartalszahlen reagiert hat. Ich selbst habe noch lebhaft Beispiele aus verschiedenen Branchen in Erinnerung, in denen der volatile Markt sich anders als erwartet entwickelt hat und man dynamisch reagieren wollte. An den Jahreszielen ließ sich aber leider nichts mehr machen. Da mussten die Kollegen jetzt durch, auch wenn die Firma selbst ihre übergeordneten Ziele anpasste.

Und dann gibt es da die Bereiche, in denen wir wirklich alles tun, um die VUCA-Merkmale auszumerzen. Nehmen Sie das Thema Datensicherheit. Die Wünsche und Sorgen der Verbraucher stehen sich teils so paradox gegenüber, dass Datenschützern sich der Kopf dreht. Ein Bild kann nicht auf Facebook landen, ohne dass Sie Facebook die Rechte zur Veröffentlichung einräumen. Immerhin wollen sie es ja auch Facebook veröffentlichen, anstatt sich einen privaten Server zu bauen und ihre Freunde da hin zu schicken. Oder Sie müssen leider Amazon private Daten liefern, denn wie sonst soll Amazon wissen, wo es das Paket hinschicken soll? Zeitgleich soll Amazon diese Daten nicht haben, damit daraus keine Werbe-Annahmen abgeleitet werden können. Und weil wir Amazon und Facebook nicht trauen, wenn Sie behaupten, Daten ausschließlich zweckgebunden zu nutzen, wollen wir eine technische Lösung, die uns Sicherheit bietet. Die einzige Lösung, die dafür 100% Sicherheit bietet ist aber, die Dienste nicht zu nutzen. Aber irgendwie wollen wir das dann doch…

Sicherheit in VUCA-Zeiten – wie weit sind wir?

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass wir beides wollen. Wir wollen dynamisch mit VUCA umgehen. Uns schnell anpassen, flexibel sein, alle Möglichkeiten nutzen. Und dann wollen wir doch wieder die Struktur und Verlässlichkeit von Sicherheit. Deshalb haben wir uns bei so vielen Paradigmen bisher nur im Kopf bewegt. Gelebt wird vieles aber weiterhin sehr ähnlich.

Ich glaube am Ende landen wir wieder bei unserem Zwischenfazit aus Teil 3: je dynamischer, desto höher das Risiko. Je strukturierter, desto höher die Sicherheit. Und während Dynamik die höhere Rendite verspricht, müssen wir uns fragen, ob wir den Preis für diese Rendite zahlen wollen. Und zwar den geistigen. Den Stress, das Risiko, die Unsicherheit. Oder ob es, wie im klassischen Anlagen-Portfolio, nicht langsam Zeit wird, für eine wohl überlegte Balance.

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