Worum es bei unserer Beratung geht:

Wir sind davon überzeugt, dass in unserer komplexen schnelllebigen Gesellschaft die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens von dessen Flexibilität abhängt.

Einsame Entscheidungen der Führungsspitze, die zu top-down-Strategien und Silodenken sowie zu krampfhaften Festhalten an langfristigen Zielen führen, gehören der Geschichte der Planwirtschaft an.

Gefragt sind schlanke Unternehmen mit effektiven Führungsteams und nur soviel Hierarchie wie nötig. Sie beobachten ihre relevanten Umwelten, antizipieren die Entwicklungen der Zukunft, reflektieren ihre Entscheidungen und passen sie den Erfordernissen an. Solche Unternehmen sind prozessorientiert und stellen bei ihren Handlungen den Kundennutzen in den Fokus.

Um das zu erreichen, gehen die Führungskräfte dieser Unternehmen mit einer inneren Haltung an den Start, die alle Mitarbeiter wertschätzend einbindet und die sich selber als deren Dienstleister versteht.

„Projektleiter über Nacht“?

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„Projektleiter über Nacht“?

Seit geraumer Zeit erhalte ich die Seminareinladungen eines großen deutschen Weiterbildungsanbieters mit Sitz in Eschborn, der sich mit seinen Angeboten primär an Fach- und Führungskräfte wendet. Nach meinem Urlaub habe ich ein solches Angebot auf meinem Schreibtisch vorgefunden, beworben mit dem Titel „Projektleiter über Nacht“. Selten habe ich mich so über eine Werbezuschrift geärgert, wie über dieses „Intensiv-Seminar“.

In meinen eigenen Trainings, Seminaren und Workshops zum Thema Projektmanagement habe ich immer wieder mit Menschen zu tun, die auch „über Nacht“ zum Projektleiter geworden sind. Nicht immer waren diese Personen in der Situation, sich vor der neuen Aufgabe und der vermeintlich attraktiven Rolle zu wehren.

Da gibt es Organisationen, die ihre Mitarbeiter nach rein fachlichen Gesichtspunkten bewerten und auf dieser Grundlage zu Projektleitern machen. Wer sich als Fachmann (oder -frau) und Experte bewährt hat, der muss auch einen guten Projektleiter (oder -in, ok, Sie haben es verstanden…) abgeben. Denn bei Projekten geht es ja bekanntlich nur darum, das Vorgehen zwischen heute und dem anvisierten Endtermin strukturiert zu planen und abzuarbeiten. Der Plan wird dann managementgerecht in Powerpoint aufbereitet und den Auftraggebern präsentiert. Der Projektleiter erhält seinen Auftrag, den er zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben in Perfektion und höchster Qualität zu erledigen hat. Das bisschen Planung, die paar zusätzlichen Meetings, die erledigt er ja nebenher. Und wenn man ein modernes Projektmanagement-Softwarewerkzeug verwendet, dann geht das ja gleich doppelt so schnell. Denkste!

Wenn eine Organisation nach dieser Logik verfährt, verliert sie in der Regel einen guten Sachbearbeiter und gewinnt einen schlechten Projektleiter. Und wird das Ziel ihrer Projekte höchstwahrscheinlich nicht oder nur mit Einschränkungen erreichen.

Diese Unternehmen und ihre Führungskräfte lassen völlig außer Acht, dass Projekte weit mehr sind als das Abarbeiten von Checklisten und Projektplänen. Wer ein Projekt – und ich meine ein richtiges Projekt – plant, der hat es mit einer komplexen, hoch-riskanten Herausforderung in einem widrigen Umfeld zu tun. Dessen Ziele sind ambitioniert bis unmöglich, die zur Verfügung stehende Ressourcen, das Personal und das Budget sind eingeschränkt, fachliche Fragen noch ungeklärt und notwendige Technologien stehen (noch) nicht zur Verfügung.

Wer sich nur ein wenig mit Projekten und Projektmanagement auseinander setzt, der weiß, dass die in diesem „Intensiv-Seminaren“ vermittelten Kenntnisse zum Basiswerkzeug von Projektmitarbeitern gehören. Wer Projekte aber wirksam und erfolgreich führen will/muss, der braucht darüber hinaus sehr viel mehr. Er benötigt umfangreiche Erfahrungen in den fachlichen Belangen des Projektes (wenn das anders wäre, müssten Hochschulabsolventen mit PM-Ausbildung in einer beliebigen Branche erfolgreiche Projektleiter sein können). Er braucht die Fähigkeit, sein Projektteam mit all den unterschiedlichen Charakteren situativ führen zu können. Und er braucht eine innere Haltung, die ihn mit einer hohen Ambiguitätstoleranz ausstattet, der Fähigkeit, widersprüchliche und mehrdeutige Situationen zu ertragen ohne in die Reflexe des linearen Denkens zu verfallen. Diese Aufzählung lässt sich beliebig erweitern.

All das sind Fähigkeiten, die man nicht in einem Seminar wissensbasiert vermittelt bekommen kann und die einem auch nicht „über Nacht“ von allein zufallen. Solche Fähigkeiten erwirbt man sich nur in mehrjähriger Projektpraxis.

Wenn die Anbieter von Seminaren mit dem Titel „Projektleiter über Nacht“ werben, dann täuschen sie ihre Kunden ganz bewusst. Etiketten wie „Projektmanagement auf das Wesentliche reduziert“, „das A und O der Projektsteuerung“ und „Projekte

[…] ohne große Vorkenntnisse erfolgreich durch[führen]“ suggerieren den Auftraggebern – in der Regel nicht die künftigen Projektleiter selber, sondern deren Vorgesetzten oder die Personalabteilung -, dass man als Teilnehmer dieses Seminares nur noch erfolgreiche Projekte durchführen wird.

Wer also glaubt, nach dem Besuch dieser „Intensiv-Seminare“ seien seine Mitarbeiter bestens gerüstet für die Leitung von Projekten, der glaubt auch an den Business Kasper und lässt sich wahrscheinlich von einem solchen beraten.

By | 2017-05-22T22:53:46+00:00 20. August 2012|Führung, Kommunikation, Marketing, Projektmanagement, Training|0 Comments

About the Author:

Kai Altenfelder ist geschäftsführender Gesellschafter und Senior-Berater der pro accessio GmbH & Co. KG. Die Unternehmensberatung für systemische Strategie-, Personal- und Organisationsentwicklung unterstützt Organisationen in Auf- und Umbruchphasen bei der Umsetzung von wirksamen Veränderungen. Dabei stehen die Verbesserung von Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit durch die Hinwendung zu mehr Kundenorientierung im Vordergrund.

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