Wenn es zu Führungs-Fragen echte Zahlen gibt und nicht nur Spekulationen, bin ich immer begeistert. Zumindest in Teilen, denn das Hernstein Institut hat herausgefunden, dass Führungskräfte aller Hierarchien ihre Zeit fast genau gleich auf ihre verschiedenen Aufgabenfelder verwenden. Klingt das nach einer sinnvollen Führungs-Architektur? Ein Gedanken-Modell.

Schon eigenartig, dass sich Teamleitungen genauso viel Zeit für strategische Fragen nehmen, wie das Top-Management. Oder zumindest sehr ähnlich viel, ohne signifikanten Unterschied. Beispiel: ein Fünftel geht in allen Hierarchiestufen für das Tagesgeschäft drauf. Dabei hat an vielen Stellen das Top-Management ja gar nichts mehr mit dem Tagesgeschäft zu tun. Sollte man sich dort nicht viel eher mit strategischen Themen befassen? Unser Vorschlag: so wie es Unterschiede zwischen Architektur und Innenarchitektur gibt, so gibt es Unterschiede in den Führungsebenen. Lassen Sie uns diese Metapher einmal durchspielen.

Architektur ist nicht einfach ein Haus bauen

Wenn wir die Architektur-Metapher durchspielen wollen, dann sollten wir uns zuerst mal die umfassendste Variante anschauen. Denken Sie schon an den Bauplan? Wir zoomen nochmal etwas raus und fangen bei der Stadtplanung an. Der geht es um die generelle Infrastruktur, wo kommt was hin, wie verbinden wir die einzelnen Bereiche der Stadt, was gehört wo hin? Na? Die Parallelen zum Top-Management fallen auf, oder? Auch unternehmensintern spricht man von der Infrastruktur. Wie verbinden wir unsere Bereiche, unsere Abteilungen? Kommt man gut dazwischen hin und her? Nur, dass sich Top-Chefs nicht mit Bus und Bahn-Linien beschäftigen, sondern eben Kommunikationskanälen. Telefon, E-Mail, Slack, etablieren wir stattdessen lieber ein integriertes System… Ein Stadtplaner beschäftigt sich aber nicht damit, wo eine tragende Wand hinkommt. Das ist ein völlig anderer Bereich.

Es gibt auch Landschafts-Architektur

Ein Gebäude hat auch immer ein Umfeld. Wir wissen dank des Stadtplaners/CEOs vielleicht, dass in dieses Gebiet ein bestimmtes Gebäude soll, aber wie nimmt sich das Gebiet aus? Wo genau kann das Gebäude hin, wenn wir an Parkplätze, Grünflächen und vieles anderes denken müssen? Kein Stadtplaner wird so bestimmt ins Detail gehen, sondern auch dafür die jeweiligen Experten ranholen. Die Architektur der Landschaft braucht auch wieder Überblick, aber hat ein viel klareres Detailbild. Hier sind die Bereichsleiter am Werk, die wissen, was für Leistung sie unterbringen müssen. Wie genau sie die Leute zusammenbringen, ihre Teams und Abteilungen strukturieren, das ist ihr Thema. Und natürlich gibt es einen regen Dialog zu der Stadtplanung, aber die Stadtplanung hat dafür einfach nicht die Zeit.

Wer baut dann aber das Haus?

Wenn dann die Bereiche stehen und wir wissen, was wo hin soll, dann erst macht es Sinn einen Architekten anzuheuern. Und auch der wird nicht jedes kleine Detail planen. Aber er bringt die Funktion und das Design mit der Umwelt zusammen, und bestimmt mit seiner Architektur die einzelnen Räume für seine Teams und wie die alle zusammenkommen. Die Abteilungsleitung ist also schon ungleich näher an den einzelnen Personen dran, als es die Top-Führung je sein kann. Natürlich sollte sie sich also wesentlich mehr mit der Entwicklung und dem Zusammenbringen der einzelnen Teams beschäftigen, aber nicht mehr mit strategischen Themen, für die sie eh keine ausreichende Entscheidungsgewalt hat.

Die Innen-Architektur gibt Leben

Das eigentliche Tagesgeschäft passiert in der Innenarchitektur, genau wie wir alle einen Wohnraum eher danach beurteilen, wie er eingerichtet ist, als danach, aus welcher Überlegung das Gebäude überhaupt entstanden ist. Dass hier viel Zeit auf das Tagesgeschäft verwendet wird, ist also völlig logisch.

Das Beispiel mit der Architektur funktioniert so, weil wirklich jede Planungsstufe auf die nächste vertraut. Das ist nicht meine Aufgabe, dafür sollten sie den jeweiligen Spezialisten fragen, das ist das Prinzip was hier Anwendung findet. Wenn wir in Firmen gucken, sehen wir hingegen unvollständiges Delegieren. Jeder hat noch irgendwo seine Finger drin, man will nicht gänzlich das Zepter aus der Hand geben.

Und vielleicht ist das der Grund, warum wir uns mit unserer Hierarchie so schwer tun. Denn während wir an ihr festhalten, unterwandern wir sie gleichzeitig. Und das sieht zumindest für mich nach keinem stabilen Fundament aus.

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