Was hat das Jahresgespräch mit einer schlechten Start-Up-Idee zu tun? Beide klingen erstmal nach einer Top Idee, entpuppen sich jedoch auf den zweiten Blick als schlecht umgesetzt. Bevor in ein paar Wochen bis Monaten aber wieder die Jahresgespräch-Welle durch die Unternehmen rollt, können wir ja die Zeit nutzen um uns einmal zu überlegen: Warum geht das Jahresgespräch so oft schief?

In der Theorie erfüllt das Jahresgespräch viele Anforderungen: es ist strukturiert, damit keine Aspekte in Vergessenheit geraten. Es ist ein Dialog, damit keine Perspektiven übersehen werden. Es soll Vergangenheit, Ist-Zustand und Zukunft beleuchten und die Entwicklung des Mitarbeiters nachvollziehbar machen und Möglichkeiten ableiten. Ein Haken ist natürlich, dass in unserer viel schnell-lebigeren Welt nur ein Jahresgespräch nicht ausreicht und zumindest über Zwischengespräche angereichert werden sollte. Aber an und für sich ist nichts dagegen einzuwenden, sich die Entwicklung über einen Jahreszeitraum anzusehen, insbesondere weil erst hier wirklich Trends zu Tage treten können.

In der Praxis ist das Jahresgespräch einer der verhasstesten Teile des Arbeitsjahrs, auf dem Spektrum diametral dem Jahresurlaub gegenüber. Denn in der Realität bleibt das Jahresgespräch hinter seinen Erwartungen weit zurück. Insbesondere aus zwei Gründen: schlechter Vorbereitung und falsch verstandener Führungsaufgabe.

Schlecht vorbereitetes Jahresgespräch

Wenn Sie sich über Entwicklungen und Trends unterhalten wollen, dann brauchen Sie mehr als nur einen Messpunkt. Und Sie brauchen auch ein paar Rahmendaten. Sie können einem Kollegen wohl kaum Produktivitätseinbrüche ankreiden, die entstanden sind, weil die Firma zu Beginn der Corona-Pandemie noch nicht perfekt auf Remote-Arbeit vorbereitet war. Und immer wieder passiert es. Meistens weil für alle das Jahresgespräch eben nur einmal im Jahr Thema ist. Dabei müssen Sie das ganze Jahr über präsent sein, wenn Sie es bewerten wollen. Selbst eine kurze Notiz pro Woche, was beim Mitarbeiter los war ist besser als einfach zu hoffen, dass sich die Retrospektive schon irgendwie einstellt. Viele Mitarbeiter gehen besser vorbereitet in ihr Jahresgespräch als ihr Chef, ist das wirklich Sinn der Sache?

Führung falsch verstanden

Ich gebe ja zu, dass das mittlere Management es einfach schwer hat. Aber genauso wie Sie Ihren Kollegen vorhalten, dass das Ziel vielleicht schwer zu erreichen ist, es aber nun mal deren Aufgabe ist, müsst ihr euch genau die selbe Ansage gefallen lassen. Ich habe mal gehört, wie jemand ein Jahresgespräch als „Jahresansage“ bezeichnet hat. Auf Nachfrage erklärte mir mein Gegenüber, dass die Führungskraft überhaupt kein Feedbackgespräch führen wollte. Es ging nur um die Ansage, was die von weiter oben erwarten und was die Meinung der Führungskraft war. Der Mitarbeiter hatte an dieser Stelle nichtmal wirklich Raum für einen Dialog, fühlte sich als würden seine Einwände als Ausreden abgetan.

Erstens: Sie können sich sicher sein, dass diese Person nie wieder auch nur versucht hat, ernst gemeintes Feedback zu geben. Wenn es keiner hören will, muss man es auch nicht groß raustragen.

Zweitens: Ja, mehr Meinungen machen den Job komplexer. Aber ist diese Komplexität nicht auch die Legitimation für die höhere Hierarchiestufe, die Sie haben und das vermutlich etwas höhere Gehalt als der Kollege? Sie tun sich keinen Gefallen, Meinungen und Ansichten abzuwerten, damit Sie weniger zu bedenken haben. Sie verlieren zu viele Informationen, die Ihnen an anderer Stelle weiterhelfen können. Das ist die Krux am Arbeiten mit Menschen: Sie müssen zuhören, denn Sie können nicht wissen, wann der Informationsfetzen kommt, der Ihnen weiterhilft. Sie können nicht mal bestimmen, zu welchem Projekt diese Information passen soll. Das ist anstrengend und fies? Ja, aber so ist nun mal unsere Welt.

Wenn Sie sich mit dem Absatz oben nicht ganz wohl fühlen, dann haben Sie genau die andere Seite erlebt. Wie es ist, wenn jemand Ihre Perspektive entwertet, weil man einen Punkt machen möchte. Hin und wieder ist das sicher ein rhetorisch notwendiges Mittel. Aber doch bitte nicht in einem Jahresgespräch. Dort können Sie so viele Informationen sammeln. Jemanden mundtot zu machen, ist überhaupt nicht zielführend.

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