Manche Sachen gehen einem einfach derbe auf den Keks. Der Bug im Tool, den Sie seit gefühlten Monaten reporten, und nichts passiert. Die Kollegen, von denen Sie nicht wissen, ob die über was anderes reden können als den schlechten Büro-Kaffee. Der Kunde, der wirklich für alles eine Extrawurst braucht. Es nervt, frustriert manchmal sogar und raubt irre viel Energie. Und weil Jammern nicht weiterhilft, wie gehen wir damit um?

Auf das Thema gebracht hat mich dieser Artikel von Mirjam Franke, die zusammengefasst sagt: Irgendwer wird immer jammern, Sie können aber anders darauf reagieren und es so gezielt reduzieren. Und Recht hat die Gute. Denn Jammern ist am Ende des Tages auch nur den Ausdruck von Unstimmigkeiten, die nicht beseitigt werden.

Nörgeln, jammern, lamentieren…

Was diese Begriffe eint, ist, dass sie dauerhaft anhalten. Wenn jemand etwas einmal kritisiert, ist es Feedback. Würde es oft kritisiert ist es Nörgeln. Wird sich einmal über etwas beschwert, ist es eben eine Beschwerde. Und wenn sich über die selbe Sache immer wieder beschwert wird, ist es jammern. Allen Varianten dieser Begriffe ist gemein, dass sie einen anhaltenden und überdauernden Konflikt als Kern haben und sich deswegen immer und immer wieder wiederholen. Der Konflikt muss also gelöst werden, damit dass Jammern ein Ende hat. Ist er nicht gelöst, wird das Thema immer und immer wieder auftauchen und uns gehörig auf den Senkel gehen.

Kompromisse sind keine vollständigen Lösungen

Wenn wir einen Kompromiss schließen, lösen wir den Konflikt durch einen teilweisen Verzicht auf unsere Forderungen. Die Lösung wird also erreicht, indem Teile des Problems einvernehmlich unter den Tisch gekehrt werden. Was dabei vergessen wird: diese Forderungen kommen nicht von ungefähr. In den seltensten Fällen wird etwas zur Sprache gebracht, weil jemand Langeweile hatte oder einfach jammern will oder noch eine aberwitzige Forderung gebraucht hat. Wenn es sich so anfühlt, steckt hinter der abstrusen Forderung meist ein anderer Konflikt, den Sie noch nicht entdeckt haben.

Im Endeffekt bedeutet dass, dass bei einem Kompromiss beide verlieren. Natürlich verliert niemand so hart, wie wenn man den Streit offensiv ausgetragen hätte. Aber niemand gewinnt wirklich. Denn einige Forderungen werden ja um des Kompromisses willen gekippt.

Raus aus der Box

Kompromisse entstehen aus einem geradlinigen, strukturierten Vorgehen. Dort wird eine gemeinsame Linie gesucht und alles, was diese Linie gefährdet, fällt potenziell dem Kompromiss zum Opfer. Was, wenn Sie aber nicht versuchen, „auf Linie zu bringen“, sondern die Linie hinterfragen? In einem ehemaligen Team von mir gab es immer wieder Diskussionen darüber, wie wir einen bestimmten E-Mail-Verteiler zum Austausch strukturieren. Die Arbeitsweisen waren zu unterschiedlich und kein Kompromiss hielt sich wirklich lange. Nach ein paar Wochen war der neuerliche Elan verschwunden und wenige Monate später war das leidige Jammern zum Thema wieder auf der Agenda. Und dann haben wir als Pilot-Projekt den Verteiler einfach mal Verteiler sein lassen und regelmäßige Skype-Calls dazu eingeführt. Das half nämlich auch mit einem anderen Problem: dass unsere über Deutschland verteilten Teamkollegen so selten die zeit zum Austausch an der Kaffeemaschine hatten.

Wir haben uns also von der strukturierten Verteiler-Linie entfernt und uns „außerhalb der Box“ begeben. Wir haben aktiv nach der passenden Verpackung für unsere Team-Form gesucht und dabei hier und da was hinzugefügt und kombiniert.

Kollaboration über Kompromiss

Das Jammern über zeitlichen Aufwand der Dokumentationsstruktur, die wirklich wichtigen Punkte etc. verschwand, indem wir feste, kurze Zeitfenster einführten, und wer dann noch Redebedarf hatte, konnte ja weiter im Videochat hängen. Damit Sie kollaborieren, statt nur beim Jammern zuzuhören und faule Kompromisse zu schließen, haben wir folgende Tipps:

  • Hören Sie genau zu. Sie wollen das Problem erfassen und alle Probleme und Forderungen zusammentragen. Verstehen Sie, wo es wirklich hakt.
  • Erinnern Sie sich: Jammern entsteht aus einer Unzufriedenheit, die sich breit macht. Jammern heißt, dass es jemandem nicht gut geht. Und Sie können und wollen helfen.
  • Legen Sie sich nicht zu früh auf einen Ziel-Zustand fest. Sie werden erstaunt sein, welche Optionen Ihre Kollegen auf den Tisch bringen, wenn sie wirklich frei brainstormen können!
  • Lassen Sie sich Zeit. Eine gute Kollaboration entsteht nicht über Nacht. Kippen Sie erste Roh-Entwürfe, schrauben Sie dran rum. Sie wollen lieber eine nachhaltige, als eine schnelle Lösung.

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Der Trainer war zu jeder Zeit flexibel, hilfsbereit und praxisnah. Er hat das Thema KCS sehr verständlich und nachhaltig transportiert. Ich kann sowohl den Workshop als auch den Trainer nur weiterempfehlen.

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Danke Herr Altenfelder! Sie haben wirklich keine Mühe gescheut, den Online Kurs über KCS Practices so bereichernd und umfassend zu gestalten, dass man mit maximalem Gewinn heraus geht. Es wurde nie langweilig und es war jederzeit möglich, jede Frage und Unklarheit zu besprechen. Mir hat der Kurs geholfen, von dem Gefühl zur Gewissheit überzugehen, dass KCS vielen drängenden Anforderungen dieser Zeit gerecht wird. Das Wissen aus dem Kurs kann ich nun anwenden. Überall wo Wissen geteilt werden soll, macht KCS Sinn – und Spaß – und das sowohl Mitarbeitern wie auch Kunden! Ich empfehle Sie und die Methodologie gerne weiter.

J. Thebe