Ich liebe es ja, mit Begriffen aus der Schulzeit aufwarten zu können und dabei hochtrabender zu klingen, als mein Inhalt eigentlich ist. Und ich liebe es, Totschlag-Argumente und anderes Gerede zu hinterfragen. Deshalb fand ich diesen Artikel der illustren Web-Site Scheissprojekt.de auch so eine schöne Vorlage, mich heute mit dem Thema Spurbreite und der der Phrase „das haben wir schon immer so gemacht!“ auseinanderzusetzen.

Falls Sie sich nicht die Zeit nehmen möchten, den (wirklich unterhaltsamen Artikel) selbst zu lesen: Der Autor leitet her, dass die Standardgröße von römischen Streitwagen damals solche Spurrillen in den Straßen und Wegen hinterlassen hat, dass man später Transportwagen so baute, dass der Radabstand ermöglichte, genau die Spurrille zu treffen (um das eigene Rad nicht zu beschädigen). Dies hätte sogar den Wandel zur Eisenbahn überlebt, weil man einfach die alten genormten Werkzeuge weiter verwendet hat, um Schienen zu bauen. Und jetzt sind Treibstoff-Raketen mit der Spurbreite römischer Streitwagen unterwegs, weil auch sie durch Eisenbahn-Tunnel transportiert werden müssen. Und das alles, weil es im alten Rom schick war, zwei Pferde vor den Karren zu spannen und dieser eben dafür Platz bieten musste.

Diese Geschichte ist schon für sich unterhaltsam genug, aber sie wirft auch ein paar spannende Fragen zu unserem eigenen Verwaltungs- und Spezifikationsverhalten auf. Hätte es irgendwo in der Geschichte anders laufen können, um statt einer sehr krummen Zahl auf eine schöne glatte Zahl zu kommen? War es überhaupt schlecht, dass sich das gehalten hat, oder vielleicht sogar gut? Nehmen wir das genauer unter die Lupe!

Hätte die Spurbreite irgendwann anders lauten können?

Die offensichtlichste Antwort nehmen wir gleich vorweg: natürlich hätte man sich auch anfangs für nur ein Pferd vorm Streitwagen entscheiden können. Oder sie nicht normen müssen, um die Straßen gleichmäßiger abzunutzen. Dass das Befahren sich allerdings so nachhaltig auf die Spurbreite von allen Transportmitteln bis ins aktuelle Jahrhundert durchziehen würde, konnten die alten Römer sicher nicht absehen.

Alternativ wäre es natürlich auch möglich gewesen, die Straßen auszubessern und die Spurbreite neu zu normen. Das hätte jedoch ein Investment in die Veränderung vorausgesetzt und außerdem das Verständnis, dass irgendwann in der Zukunft der Transport sich grundlegend ändern würde. Stattdessen behielt man für das Schaffen einer neuen Fortbewegungsmethode sogar die selben Werkzeuge bei. Auch hier wurde an der Neuausrichtung gespart. Und deshalb ist der Durchmesser von Treibstoffraketen heute davon abhängig, wie breit Pferde im alten Rom waren. Es gibt sicher Schlimmeres, aber ein bisschen enttäuschend ist es auch, oder?

Wie schlimm ist das überhaupt wirklich?

Eine knifflige Frage, denn wie würde unsere Welt mit anderer Spurenbreite überhaupt aussehen? Halten wir fest, dass es nicht so schlecht gewesen sein kann, wenn wir bis heute noch gut damit zurecht kommen. Andersherum stellt sich die Frage, inwiefern das Sparen an Neu-Normierung uns an anderer Stelle gekostet hat. Könnten wir noch bessere Treibstoffraketen bauen, wenn unsere Eisenbahntunnel anders normiert wären? Welche Möglichkeiten sind uns entgangen, weil Normwerte es nicht zugelassen haben? Und wie viel hat es uns extra gekostet, andere Dinge auf diese Norm anzupassen? Falls Sie sich nicht sicher sind, wie schwer so etwas wiegt, fragen Sie mal Ihre IT, wie sehr Schnittstellen, also die Nahtstelle zwischen zwei verschiedenen Normen, denen Kopfzerbrechen bereiten.

Was können wir davon für uns mitnehmen?

Es ist spannend, wie eine kleine Grundannahme sich halten kann, die womöglich mit den Worten: „Wir machen das jetzt so, und notfalls ändern wir es halt wieder,“ festgelegt wurde. Aber wer kann schon in die Zukunft sehen? Wir alle hoffen, dass wir das nächste große Ding landen, aber am Ende müssen wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass auch das nächste große Ding wieder überholt wird. Wichtig ist den Punkt zu finden, an dem das Alte zu bewahren mehr kostet, als den Weg für neues, auch mit Investitionen, zu ebnen.

Nehmen Sie Spurbreite doch heute einfach mal als Hausaufgabe mit: fragen Sie sich, welche Normen Sie haben, und warum Sie daran festhalten. Und wenn auf der Liste der Gründe nur steht, dass in etwas Neues zu investieren Geld kosten würde, dann ist es wahrscheinlich Zeit diese „Spurbreite“ einmal auf den Prüfstand zu stellen. Ehe sie später indirekt mehr Kosten als ein Wechsel verursacht.

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