Aktuell zwingen uns die Umstände zum Umdenken in Sachen Zusammenarbeit. Wir arbeiten von zu Hause, über Videochat oder Telefon oder Chat. Auch hier müssen wir zusammenarbeiten und sind seither in einige Hürden gelaufen. Missverständnisse, fehlende Motivation, die Gespräche fühlen sich so anders an. Wer nicht in einem Raum sitzt, verliert viel seiner non-verbalen Kommunikation. Aber ist das wirklich so dramatisch? Oder vielleicht einfach nur ungewohnt? Graben wir doch ein bisschen tiefer.

Was macht non-verbale Kommunikation mit uns?

Non-verbale Kommunikation ist alles was nicht ausgesprochen wird. Die Signale, die wir aussenden, zeigen unserem Gegenüber, wie wir auf ihn reagieren. Lächeln wir uns an, nicken wir einander zu? Wahrscheinlich haben wir eine positive Beziehung zueinander und werden uns nicht gleich anschreien. Umso positiver wir das Miteinander wahrnehmen, umso einfacher fällt es uns, zusammenzuarbeiten. Während verbale Kommunikation uns Informationen austauschen lässt, gibt uns die non-verbale Kommunikation Aufschluss über das Soziale zwischen uns.

Die Tücken des sozialen Aspekts von non-verbaler Kommunikation

Non-verbale Kommunikation ist der Feel Good Manager der Kommunikation. Sie gibt der Unterhaltung Emotion, Geschmack, sie lässt uns einordnen wie es läuft. Diese Orientierung ist für uns sehr wichtig und ohne sie sind wir schnell verunsichert, ob wir das richtige tun. Im Klartext heißt das: wir adaptieren unsere Kommunikation oft so, dass wir die bestmögliche soziale Rückmeldung bekommen. Anerkennendes Nicken ist ein positives Feedback, ohne das wir irgendwann aufhören würden. Wenn wir aber zusammenarbeiten, soll das Ergebnis im Vordergrund stehen, nicht unser Miteinander. Und deshalb ist dieses Adaptieren so gefährlich. Es gibt nämlich eine ganze Reihe von sozialen Effekten, die zu Lasten des eigentlichen Inhalts gehen:

Gruppendenken

Der Klassiker, denn Gruppendenken heißt nichts anderes, als dass unser Streben nach einem Konsens uns übermannt. Sobald sich eine grobe Richtung herauskristallisiert, wird nur noch versucht, den Konsens zu stärken. Es werden hauptsächlich unterstützende Argumente gefunden. Kollegen, die Einwände haben, werden kritisch beäugt. Vielleicht unterstellt man ihnen sogar, einfach nur Redezeit zu wollen, anstatt wirklich einen guten Punkt zu haben.

Gruppendenken ist der Grund für all die tollen Brainstorming-Techniken, die Sie in Workshops kennengelernt haben. Haben Sie schon mal Kärtchen im Stillen schreiben sollen? Dann war das, um Gruppendenken zumindest in der Generierungsphase zu unterbinden. Dadurch werden Ihnen die non-verbalen Hinweise Ihrer Kollegen vorenthalten, die sonst Gruppendenken anstoßen würden. An dieser Stelle ist Brainstorming im Chat beispielsweise der Face-to-Face-Variante überlegen.

 4-Seiten-Interpretation

Das 4-Seiten-einer-Nachricht-Modell von Schulz von Thun ist ein Kommunikations-Klassiker. Neben der reinen Sach-Information kann man auch die Beziehungs-Information, die Appell-Information und die Selbstauskunft aus einer Aussage mitnehmen. Welcher Nachrichten-Seite wir die größte Aufmerksamkeit zukommen lassen, hängt von der vorangegangenen Situation und den non-verbalen Signalen des Gegenüber ab. In der Zusammenarbeit wollen wir auf der Sach-Ebene arbeiten, nicht die Beziehungen untereinander ausdiskutieren oder uns mit Appellen scheuchen. Fehlende non-verbale Kommunikation kann uns also auch dazu zwingen, auf der Fakten-Ebene zu bleiben.

Sprecherwechsel

Ob jemand zu Ende geredet hat, oder auf Input von uns wartet, erkennen wir meist an non-verbaler Kommunikation. Ein aufmunterndes Lächeln, eine Handgeste, ein direkter Blickkontakt. Sprecherwechsel ohne diese Signale fallen uns wesentlich schwerer.  Deshalb gibt es so oft die unangenehm langen Pausen in Konferenz-Calls. Wir sind uns nicht sicher, wer gerade Luft holt, wer gerade überlegt ob er etwas sagen soll. In Chats warten wir kurz, wenn zu viele gleichzeitig schreiben. Aber gerade dort ist das „Sprecherchaos“ weniger schlimm. Immerhin ist es schriftlich da und kann nicht übertönt werden. Sprecherwechsel über non-verbale Kommunikation werden aber auch über die Körpersprache und den Rapport zwischen zwei Sprechern beeinflusst. Schüchterne Menschen, die sich nicht „aufbauen“ und mit ihrer Präsenz Aufmerksamkeit einfordern, werden oft übersehen. Das Wegfallen von non-verbaler Kommunikation integriert sie nicht automatisch mehr- es baut aber auch eine Hürde ab.

Der goldene Mittelweg

Non-verbale Kommunikation ist also ein zweischneidiges Schwert. Wir nutzen sie um uns zu strukturieren, aber strukturieren uns manchmal um die falschen Kernpunkte herum (Soziales > Informatives). Digitale Kommunikationsformen sind deshalb eine tolle Möglichkeit für uns, unsere non-verbale Kommunikation bewusst zu nutzen. Überlegen Sie sich: welches non-verbale Signal würde der Situation helfen? Und wie können Sie es sichtbar machen? Sie haben eine unangenehme Pause nach einer Frage? Normalerweise würden Sie sich jetzt umschauen. Allein schon um zu zeigen: mich interessiert jede Antwort. Von allen Teilnehmern. Wenn Sie das verbalisieren kommt vielleicht raus: „Ich wüsste gerne von allen die Meinung dazu, vielleicht gehen wir einmal die Teilnehmerliste runter?“ So haben Sie die Struktur geliefert, die Kollegen sind aber gleichermaßen dran, nicht nur die extrovertierte Kollegin, die absolute Ruhe ausstrahlt.

Nutzen Sie die neue Situation also einmal, Ihre non-verbale Kommunikation zu hinterfragen und zu verbessern. Sie werden sich wundern, welche Effekte dies auch auf Ihre Präsenzveranstaltungen hat. Und freuen Sie sich über die Erkenntnis, das non-verbale Kommunikation zwar viel ist. Sie ist aber nicht gänzlich unersetzlich.

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