Dieser Beitrag beginnt unsere Reihe „Paradigmenwechsel“. In den 5 folgenden Artikeln werden wir Annahmen beleuchten, die uns die letzten Dekaden begleitet haben und sich zuletzt rasant gewandelt haben. Regelmäßife Updates finden Sie darüber hinaus in unserem Newsletter.

Zeit ist so ein Dauerbrenner. Über zu wenig Zeit, Zeitmanagement und Work-Life-Balance kann man immer schreiben. Es ist immer aktuell, immer nahe gehend und immer emotional. Dauer-Verfügbarkeit, flexibles Arbeiten und FOMO (Fear of Missing Out) scheinen unseren Zeitdruck auf ein neues Allzeit-Hoch gehoben zu haben. Und generell muss alles schnell gehen: Express-Bestellungen müssen tag-gleich oder am nächsten Tag bei uns sein. Wir müssen sofort auf Nachrichten antworten. Wie hat sich der Faktor Zeit über die letzten zwanzig Jahre verändert?

In dieser Reihe machen wir zuerst die Zeitreise zurück und schauen auf die Erfahrungen von meinem Großvater. Der jahrelang als leitender Angestellter in der Industrie gearbeitet hat. Dann schauen wir uns an, wie wir heute darüber denken. Und dann schauen wir, wo sich Unterschiede und vielleicht sogar Parallelen auftun.

Damals – wie Opa es erlebt hat:

Auch damals war Zeit Geld. Damit nicht zu viel zeit verschwendet wird, gab es für jedes Projekt einen Terminplan und ein Projektleiter war für die Einhaltung verantwortlich. Die Kontrolle des Terminplans erfolgte meistens neutral: als Zulieferer forderte der Kunde regelmäßig Updates von einem ein. Entweder war man bei dieser Rückmeldung also im Zeitplan oder nicht. Befindlichkeiten des Unternehmens flossen nicht in die Bewertung des Kunden ein, entweder alles war pünktlich oder nicht.

Und auch für Verzug gab es eine klare Vorgehensweise: War der gesamte Zeitplan gefährdet? Nein? Dann holte man den Verzug an anderer Stelle wieder rein. Ja? Dann wurde das Kostenlimit zu Rate gezogen: wie viel Verzug konnte man sich leisten und wo musste nachgesteuert werden? Sowohl Kosten- als auch Terminplan waren verbindlich festgelegt, um für Planbarkeit auf allen Seiten zu sorgen.

Und heute? – was die jungen Wilden sagen

So schön so ein Zeitplan ist, so unrealistisch ist er geworden. Unsere dynamischen Zeiten haben bei meinen Projekten schon das ein oder andere Mal dazu geführt, dass ich einen hektischen Anruf bekommen habe. Wir hatten zwar in zwei Wochen vereinbart, jetzt muss aber doch alles bis Freitag da sein. Wenn nicht, sucht man sich halt einen anderen Express-Lieferanten. Auf die Kosten wird immer noch geguckt, aber tatsächlich werden die spontanen Express-Aufschläge meistens eingerechnet. Teilweise arbeitet man unter dem Zeitdruck, dass wenn man nicht sofort liefert, der Kunde vielleicht plötzlich den Bedarf nicht mehr hat und den Auftrag storniert. Wer will schon langfristige Zeitpläne, wenn morgen die neue Innovation auf den Markt kommen kann, die mein Problem günstiger, schneller und effizienter löst? Aufträge sind zu einem dauerhaften Windhundrennen geworden. Langfristige Pläne sind ein Luxus, den sich in den disruptiven und schnelllebigen Zeiten von heute keiner mehr leisten möchte oder kann. Stattdessen zählt Dynamik und dynamisches Reagieren.

Warum läuft uns plötzlich die Zeit davon?

Wenn ich mir die Unterschiede anschaue, fühle ich mich unweigerlich an das Sprichwort „auf zu vielen hochzeiten tanzen“ erinnert. Wir wissen nicht, was das nächste große Ding wird. Deshalb wollen wir nichts verpassen, nichts auslassen und am liebsten alles mitmachen. Deshalb sind wir an Trends und Hypes auch völlig übersättigt. Wir haben den Punkt erreicht, an dem wir so viel mitverfolgen, dass wir nicht mehr die Zeit haben, irgendwas davon richtig zu machen.

Wissen Sie, wer ähnlich funktioniert? Geldanlagen. Es gibt konservative und chancenorientierte Anlagen. Konservative Anlagen machen keine großen Sprünge, sie bieten aber eine akzeptable Rendite über Zeit. Wer konservativ anlegt, will finanziell sicher sein. Er räumt seiner Anlage die Zeit ein, ein akzeptables Ergebnis zu erwirtschaften. Dafür verliert er auch nicht wirklich viel, wenn es mal bergab geht mit dem Kurs. Chancenorientierte Anlagenhaben für ihr höheres Risiko auch höhere mögliche Gewinne und Verluste und sind meist vor allem eins: dynamischer. Eine solche Anlage versucht aus jeder Kursschwankung etwas rauszuholen. Wir wissen ja nicht, was das nächste große Ding ist, also versuchen wir es überall. Aber alle können nun mal nicht gewinnen. Unser fehlendes Commitment auf eine Anlage kann also bedeuten, dass sich in der breiten Streuung Gewinne und Verluste ausgleichen.

Und damit wären wir beim Anfang, das Zeit nicht nur Geld, sondern auch wie Geld ist. Und dass sich unsere Investitionsstrategien bei beiden ins Risiko entwickelt haben. Wenn Sie Ihren Bankberater fragen, wird der Ihnen zu einem gesunden Mix raten. Vielleicht sollten wir diese Idee auch mal wieder in unser Zeitmanagement lassen. Muss jedes Zeitinvestment dynamisch sein, oder könnte ein langfristiges Investment Stabilität bringen, wo wir sie benötigen?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung dazu!

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