„Wissen“, einmal als Nomen und einmal als Verb. Das eine ist der „Gegenstand“, die Fakten, die Daten. Das andere ist die Tätigkeit, verstehen, kennen, so weit, so einfach. Und tatsächlich findet sich hinter diesem kleinen Unterschied noch mehr, als nur grammatikalische Spitzfindigkeiten. Entdecken Sie heute, wie die Unterscheidung dieser Wortfamilie Ihnen Bias, fluide und kristalline Intelligenz und Verstehen erklären kann und warum nicht nur Usain Bolt ihr Lauftrainer sein kann.

Die Quintessenz heute einmal vorweg: es gibt einen gewaltigen Unterschied dazwischen, ob Sie theoretisch über ein Wissen verfügen, oder ob Sie auch in der Lage sind, es korrekt anzuwenden. Sie wissen bestimmt, wie man einen Hammer theoretisch in die Wand schlägt. Wie oft ist Ihnen dabei aber schon der Nagel verbogen oder Sie haben versehentlich den Finger getroffen? Das Wissen: theoretisch vorhanden, praktische Anwendung verbesserungswürdig.

In unserem Leben gibt es allerdings viele Bereiche, in denen sich diese Erkenntnis niederschlägt. Während Sie also längst wussten, dass Wissen und wissen zwei verschiedene Paar Schuhe sind, kann es sein, dass Sie dieses Wissen nicht immer anwenden – das ist auch recht natürlich. Denn um Wissen in die Praxis zu bringen, müssen wir üben, üben und üben. Sehen Sie die folgenden Beispiele also gerne als Übungen, um dieses Wissen in einen Praxiskontext zu bringen!

Bias – was wir glauben, zu wissen

Bias oder ein Vorurteil ist, wenn wir von einer Information etwas ableiten, für das wir aktuell keinen Anlass haben. Wenn wir also davon ausgehen, dass jemand in einem schicken Anzug sehr erfolgreich in seinem Bürojob sein muss, ist das ein Vorurteil. Denn nichts würde einen ebenso erfolgreichen Gärtner davon abhalten, sich einen schicken Anzug zu kaufen und in seiner Freizeit zu tragen. Dass sie von der Kleidung nicht auf Leute schließen sollen, oder von der Religion, Hautfarbe oder dem Alter, das ist Ihnen natürlich bekannt. Aber aktiv hinterfragen Sie ihre Vorurteile wahrscheinlich eher selten. Üben Sie selbst doch einmal mit den folgenden Fragen:

  • was war das letzte Vorurteil, bei dem Sie sich erwischt haben?
  • welche vermeintlichen „Vorurteile“ verteidigen Sie am stärksten als Erfahrungswert? Warum?
  • welche Vorurteile könnte man über Sie haben?

Kristalline vs. fluide Intelligenz

Dafür, dass sich die Wissenschaft bis heute nicht auf eine Art, Intelligenz zu messen, einigen konnte, verteilen wir das Prädikat ganz schön oft. Dabei gibt es einen wahren Blumenstrauß an Konzepten für „Intelligenz“. Sicher haben Sie zum Beispiel von der Multiplen-Intelligenzen-Theorie von Gardner gehört oder schon einmal über Intelligenzquotienten basierend auf der Forschung von Albert Binet gesprochen. In dem Mix an Intelligenz-Konzepten gibt es auch das der kristallinen und fluiden Intelligenz. Kurz gefasst geht es bei dem Konzept um die Aussage: Intelligenz ist nicht nur Lesen, sondern auch Tüfteln.

Kristalline Intelligenz – Wissen

Kristalline Intelligenz sind die Zahlen, Daten, Fakten, die wir wissen. Wenn wir uns etwas anlesen und uns jemand für dieses Wissen als „intelligent“ lobt, lobt er unsere kristalline Intelligenz. Dieses Wissen können wir abrufen, kristalline Intelligenz ist also das Wissen, das bei Prüfungen und Tests abgefragt wird. Es muss aber nicht auf einzelne Informationen beschränkt sein. Auch Abläufe und ganze Strategien können Sie in Ihrer „kristallinen Intelligenz“ ’speichern‘. Wussten Sie beispielsweise, dass Schach, eine Aktivität, die wir stark mit Intelligenz verbinden, im Profi-Bereich zu einem großen Teil kristalline Intelligenz fordert? Schach-Großmeister studieren alle möglichen Partien um aus diesen Ihre aktuell Partie zusammenzusetzen. Allein 3.000 Eröffnungen gibt es, die zumindest wiedererkannt werden sollten, um den folgenden Verlauf einschätzen zu können.  Sie haben also zu recht Respekt vor der Leistung von großen Schachspielern.

Fluide Intelligenz – wissen

Wenn also kristalline Intelligenz ist, die Antwort zu wissen, ist fluide Intelligenz, die Antwort finden. Fluide Intelligenz ist, was uns erlaubt, das was wir wissen zu kombinieren und zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Das heißt, fast alles, was wir als kristalline Intelligenz vorliegen haben, ist einmal durch fluide Intelligenz entdeckt worden.

Wenn Sie also das Wissen aus Ihrem Chemieunterricht wiedererkennen, und verstehen, dass Säuren und Basen sich zu einem Salz und Wasser neutralisieren, dann kann Ihnen die Idee kommen, dass Essig Kalk löst. Und wenn sie daran denken, dass Sie Wasser in Luftballons füllen können und sie die dafür immer über den Wasserhahn gespannt haben, und Sie beides zu einem tollen Life-Hack kombinieren, ist das fluide Intelligenz. Wenn Sie diesen Life-Hack auf Pinterest lesen und ihn nachmachen, dann haben Sie diese Lösung in Form von kristalliner Intelligenz aufgenommen.

Man könnte jetzt sagen, dass fluide Intelligenz dabei etwas nützlicher klingt. Denken Sie aber daran, dass der Erfinder des Life-Hacks wesentlich länger rumtüfteln müsste, ehe er oder sie ein Ergebnis hatte. Die Nutzer des Hacks, die Ihn über kristalline Intelligenz erfahren haben, haben lediglich die Lesezeit investiert. Wer hier wirklich intelligenter vorgegangen ist, kann also zu genüge debattiert werden.

Warum nicht nur Usain Bolt ein Lauftrainer sein kann

Das letzt Beispiel, warum Wissen und wissen nicht immer zum selben Ergebnis führen, ist Coaching. Egal wofür Sie schon mal einen Coach hatten, haben Sie sich schon mal gefragt: „Wenn du es so viel besser weißt, dann mach es doch selber?!“Wahrscheinlich war das einfach der Frust, der da aus Ihnen gesprochen hat, aber tatsächlich ist es auch hier wieder ein schönes Beispiel. Denn ein Coach weiß viel über die Materie, in der er Sie coacht. Coaches erkennen schnell Zusammenhänge und fokussieren das große Bild. Umsetzen müssen aber ihre Schützlinge selbst. Solange der Coach über hilfreiches Wissen verfügt, hilft er Ihnen besser zu werden. Ein guter Coach muss es nicht besser machen, um Ihnen zu helfen. Er muss nur besser wissen, was Ihnen noch fehlt. Denn am Ende geht es darum, dass Sie dieses Wissen anwenden können – nicht Ihr Coach.

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